Hätte ich mal nicht gefragt

Wie an anderer Stelle schon geschrieben, war ich am Wochenende in Gelsenkirchen. Vom letzten Heimspiel der Saison habe ich deshalb nur recht wenig mitbekommen. Ich stand im Block, freute mich mit den Knappen und schaute immer wieder nach oben auf die Anzeigetafel. Nach dem 1:0 war ich erleichtert und noch besser gelaunt. Nach dem 1:1 hatte ich ein wenig Bammel, sah aber noch alles im Lot. Das 1:2 ein Rückschlag, aber der – aufgrund der Ergebnisse von den anderen Plätzen – doch in Freude überschwappte, da ich dem SC den Klassenerhalt so sehr wünschte. Das 2:2 war dann doch noch die Erleichterung zu spüren, da ich doch nur sehr ungern mit einer Heimniederlage in die Sommerpause gegangen wäre.

Man kann nicht alles haben

Ich habe nichts vom Spiel gesehen. Rein gar nichts. Ich habe gegrillt und die Sonne genossen. Oft, wenn ich keine Bilder erhaschen kann, suche ich zumindest nachträglich noch mal Videos raus, um einen besseren Eindruck vom Spiel gewinnen zu können. Diesmal nicht.

Man kann nicht mal sagen, dass ich dazu einfach keinen Nerv mehr hatte. Schließlich haben wir am Wochenende nicht mit 1:5 verloren. Es war ein knappes 0:1, das sogar erst in der Nachspielzeit erzielt wurde. Durch einen Handelfmeter. Bremen, bedankt euch bei Geromel!

Danke VfL!

Also da hatte ich mal (ausnahmsweise) einen richtigen Riecher gehabt. Wenige Stunden vor der Partie tippte ich Zoran Tosic als Torschütze für den Abend und siehe da, der Serbe schlug zu. Doppelt sogar und das reichte dann sogar für den dritten Heimsieg der Saison. Man könnte jubilieren, nach dem 2:0. Dem zweiten in Folge, der dann auch den Klassenerhalt nun (wohl) endgültig klargemacht haben dürfte.

Aber richtig jubeln kann man nicht.

Eher sollten wir uns artig bei Bochum bedanken. Der VfL war erschreckend schwach und ließ den FC einfach gewähren. Also entweder können sie nicht oder sie hatten die bisherigen Heimspiele der Kölner nicht analyisert. Gäste wurden da zuletzt regelmäßig freundlich eingeladen, sich selbst in Szene zu setzen und wichtige Dreier mit nach Hause zu nehmen. Bochum stand tief, wartete ab und tat so, als wollte man an diesem Abend gar nicht Fußball spielen.

Fans, bleibt fern!

Nein, der 1. FC Köln war gestern nicht wirklich stark und überzeugend. Aber immerhin ging der Ball mal wieder ins Tor. Es wurden wieder drei Punkte eingefahren. Die Auswärtsbilanz wurde mit dem Sieg bei 1899 Hoffenheim weiter aufpoliert.

Dabei präsentierten sich beide Mannschaft nicht zweitklassig. Erstklassig sowieso nicht. Die Begegnung erinnert eher an dritt- oder viertklassige Teams. Da lief nur wenig zusammen. Beiden Vereinen war die Verunsicherung anzumerken. In der Offensive setzte keiner Akzente. Hoffenheim hatte noch die besseren Möglichkeiten, aber was vor einem Jahr noch fast selbstverständlich reinging, wurde diesmal verzogen und leichtfertig vergeben. Köln sorgte vielleicht nur zwei Mal ernsthaft für etwas Gefahr. Das reichte diesmal für zwei Treffer. Weil sich ein Youngster den Mut nahm, um zwei Mal aus der Distanz abzuziehen. Matuschyk hat eine überraschend beeindruckende Schusstechnik. Wie er das Leder völlig unbekümmert in den Winkel geknallt hat, chapeau! Damit sollte er seinen Platz in der Mannschaft bis zum Ende der Saison sicher haben.

Wo ist die Konstanz?

Ganz ehrlich, was soll man nach so einem Spiel schreiben?

Der 1. FC Köln hat einmal mehr vor eigenem Publikum keine überzeugende Leistung abgerufen. Abrufen können. Irgendwie scheinen die Spieler zu verkrampfen, wenn sie die Choreo ihrer Anhänger sieht. Trotz eines 5:1 im Rücken und dem Tabellenletzten vor der Brust, gelingt es dieser Mannschaft nicht, hinten sicher zu stehen und vorne eiskalt zu knipsen.

Stattdessen vergeben wir vorne die ersten Chancen, ziehen uns dann verunsichert zurück und patzen defensiv so dermaßen, dass der Gegner fast nur noch einschieben muss.

Berlin hat clever gespielt. Der gesamte Druck lastete auf den Hauptstädtern und wie sie diesen aktuell trotzen ist beeindruckend. Da ziehe ich meinen Hut. Eigentlich schon abgeschrieben und nun doch mit kleinen Chancen. Vor allem beweisen sie, dass sie mehr als nur mithalten können. Die Saison haben sie vorher verloren. Im Gegensatz zum FC, der die Spielzeit im Schlussspurt verlieren kann. Oder aber noch richtig retten.

Das war der erste Streich

Ich musste mir schon die Augen reiben, ähh die Ohren putzen. Nach fünf Stunden Kellerputzen hatte ich es mir auf der Couch gemütlich gemacht, um rechtzeitig 15:30 90elf zu lauschen. Ich hatte mich auf einen – aus Kölner Sicht – ruhigen Nachmittag eingestellt. Ein holpriges Spiel. Wenig Akzente. Ein Tor vielleicht. Ergo nebenbei ein wenig im Internet rumdaddeln und schreiben. Doch dafür blieb wenig Zeit.

Der FC bewies gegen Hannover, wozu die Mannschaft in der Lage ist. Sicherlich war 96 kein Gradmesser und erschreckend schwach. Aber wie Köln aufgetreten ist, das konnte sich sehen lassen. Nicht mutlos, nicht gehemmt, nicht defensiv. Eher mit Druck, Moral und offensivem Mut. Alles voran Zoran Tosic bewies, warum er im Winter geholt wurde, wirft aber auch die Frage auf, warum Soldo ihn bisher so selten brachte. Mit technischer Klasse und guter Ballkontrolle in hohem Tempo sorgte er für den ersten Torjubel. Da wollte ich schon bei Twitter schreiben: „Das war das Tor des Tages.“

555 Minuten für den Abstieg

Leute, die mich kennen, würde mich nicht unbedingt einen Gerechtigkeitsfanatiker nennen. Wahrscheinlich würden sie mich eher einen geraden, direkten, manchmal ziemlich unfairen und gern mal pöbeligen und grummeligen Typ nennen. Gerade wenn es um Fußball geht, bin ich mit Herzblut dabei und pruste wilde Sachen in den Raum oder ins Stadion. Ohne Rücksicht auf Verluste. Ich pfeife und fluche. Ich beschimpfe auch mal meine eigenen Spieler. Aber im Groben stehe ich wie ein Mann hinter meiner Mannschaft und versuche sie eher anzutreiben. Auch wenn Verfluchungen meistens einfacher sind und sicherlich auch oftmals vorkommen.

Nur gestern hätte ich nicht gegen Womé gepfiffen (wahrscheinlich).
Wer hier regelmäßig mitliest, der weiß, dass ich den Kameruner nicht mag und mir immer bange wird, wenn er verteidigen soll. Seine Patzer sind berüchtigt. Seine Stärken liegen eher noch in der Offensive. Gegen Gladbach hat er sich jedoch keinen Fehler erlaubt. Defensive hatte er mit dem agilen Reus mächtig zu tun, aber hatte hier meistens alles verhältnismäßig im Griff. Beim Gegentor muss man eher unsere Innenverteidigung geißeln. Offensiv hätte man sich von Womé sicher ein ums andere Mal mehr Druck und Mut gewünscht. Stattdessen hat er das Tempo rausgenommen und den Rückpass gesucht. Ein Fehler? Eher nein! Wer seine Ballverliebtheit kennt, der weiß, wie schwer es ihm fallen musste, sich zu trennen statt ins Eins-zu-Eins zu gehen.

Alles verpufft

Wo bitteschön ist denn der Biss und die Leidenschaft von den Partien gegen Leverkusen und München zu sehen? War es etwa das bekannte Phänomen, dass oftmals im Pokal zu sehen ist, dass eine Mannschaft gegen den vermeintlichen Favoriten eine besondere Leistung abruft und danach wieder in alte Muster verfällt? Dann ist es bitter und all die Moral, die ich dem 1. FC Köln zugeschrieben habe, war nicht mehr als ein heißes, unehrliches Lüftchen.

Jetzt wären mir zwei bittere Pleiten gegen die beiden Tabellenanführer lieber, wenn dafür gegen Mainz ein Dreier rausgesprungen wäre.

FC Bayern – Das Zypern der Bundesliga

32. Minute in Köln. Lukas Podolski läuft an, zieht ab und hämmert den Ball ins Münchner Tor. Nach 1.424 Minuten hatte der Nationalstürmer seine Torflaute beendet und seine Kritiker mit einer in diesem Spiel starken Leistung mundtot gemacht. Gleichzeitig dürfte einigen Münchner Verantwortlichen die Kinnladen runter gefallen und deren vergangene Aussagen im Hals stecken geblieben sein. Denn mit nur einem Treffer zimmerte der Prinz seinen ehemaligen Verein auf eine Stufe mit Liechtenstein, Aserbaidschan, Thailand, Luxemburg, Zypern und San Marino.

Denn Uli Hoeneß und Co. hatten nur allzu gern festgestellt, dass der Poldi nur gegen kleine Gegner treffen würde. Seine gute Torquote in der Nationalelf stammt schließlich nur von seinen Erfolgen gegen die Underdogs der Welt. Stimmt, aber selbst da muss man auch treffen! Egal, sei’s drum. Mir im Endeffekt ziemlich egal, was dort aus München immer für Frosteleien durch den Blätterwald geschleudert sind.

Ausgleichende Gerechtigkeit

Eigentlich sind ja die Schweizer diejenigen, die als neutral gelten. Seit gestern Abend kann der 1. FC Köln seine Schweizer Staatsbürgerschaft beantragen.

Gestern Abend wollte ich als Überschrift „Die Meistermacher“ schreiben. Ganz in der Annahme, dass der FC Bayern gegen Hamburg gewinnt und somit an B04 vorbeizieht und sich die Tabellenführung nicht mehr nehmen lassen wird. Köln hätte dann dafür gesorgt, dass Lever- auch in diesem Jahr Vizekusen bleibt.

Doch dann kramte ich ein wenig im Gedächtnis und möchte mich aus solchen Spekulationen und Wortschöpfungen lieber raushalten und leicht distanzieren. Wäre schließlich auch enorm vermessen, wobei ich mir ein Schmunzeln natürlich nicht verkneifen könnte, wenn es denn so kommt. Immerhin etwas, was die Jungs dann in dieser Saison geleistet hätten.