Drei Gründe warum man Modeste verstehen kann

Achtung: Dieser Text wurde bereits vor wenigen Wochen geschrieben – noch bevor das Wechseltheater seinen Höhepunkt erlebte. Der Text blieb aber unberührt, da er sonst eine andere Tonart angenommen hätte.

Tschööö Anthony.
Unser Topstürmer, der Anthony Ujah vergessen gemacht und sich in die Top Drei der besten Bundesligatorschützen geballert hat kehrt dem Geißbockheim den Rücken. In einer Situation, in der er den 1. FC Köln in die Europa League geschossen hatte und mit ihm endlich international auftrumpfen durfte.

Gerade der Schritt nach China hinterlässt viele Kopfschüttler.
Doch es gibt Gründe, warum man ihm diese Entscheidung nicht übel nehmen kann. Eventuell sogar nachvollziehen. Man kann ihn beglückwünschen, dass er recht spät in der Karriere zur absoluten Top-Verfassung gefunden hat und diese Entwicklung genutzt hat, um für sich einen gut dotierten Karriereausklang zu verschaffen.

Denn was man so hört, verdient er in Asien nun das drei- bis sogar vierfache seines Gehalts. Das klingt nicht romantisch, aber wir wissen mittlerweile alle, dass wir ins im Profifussball im kompletten Kommerz befinden. Vereine sind gewinnorientierte Unternehmen und ihre Angestellten sind Arbeitnehmer, die selten nur zum Spaß spielen, sondern wissen, dass sie eine beschränkte Zeit haben, um das ganz große Geld zu machen und für den Rest des Lebens auszusorgen oder zumindest die finanzielle Basis zu legen für ein unbeschwertes Leben. Nur die wenigsten schaffen es, dass sie sich von den kassierten Gehältern innerhalb der maximal 20-jährigen Karriere ein mehr als ansprechendes Leben zusammen zu sparen. Modeste hat genau dieses Angebot erhalten. Er darf jetzt dick abkassieren und damit seiner Familie, die ihm so wichtig ist die finanzielle Sicherheit geben.

Dafür verzichtet er sicherlich auf internationalen Ruhm innerhalb des europäischen Vereinsfussballs. Jetzt hätte er in Europa League (oder gar Champions League) spielen dürfen. Das große internationale Ziel Nationalmannschaft war aber für ihn abgefahren. Selbst eine Ausnahmesaison mit 25 Toren reicht nicht, um sich der Konkurrenz im eigenen Land zu behaupten. Antoine Griezmann, Kylian Mbappé, Alexandre Lacazette und Olivier Giroud stehen in der Hierarchie vor ihm. Teilweise noch für mehrere Jahre. Sich in einer europäischen Liga behaupten, um für die Tricolore berücksichtigt zu werden war schlichtweg unrealistisch.

Zu guter Letzt sprach das Alter für einen Wechsel. 29 Jahre ist jetzt nicht sonderlich alt. Vor 15 Jahren hätte man eventuell sogar noch vom besten Fussballalter gesprochen. Mittlerweile befindet man sich hier allmählich auf dem Abstellgleis. Das Karriereende naht. Eher unwahrscheinlich, dass er in zwei bis drei Jahren nochmal die Chance auf den großen letzten Vertrag gehabt hätte. Und wenn man den großen Vertrag für sich nicht an einem TOP-Klub festmacht, sondern am Finanziellen, musste er dieses Angebot fast zwangsläufig annehmen.

Eventuell wäre es Modeste lieber gewesen, wenn er das Gehalt irgendwo in Europa kassiert hätte. Mit 29 Jahren wäre das aber wirtschaftlich nicht vertretbar aus Vereinssicht. Deshalb hat er das Finanzielle dem Sportlichen über geordnet. Es mag verwerflich daherkommen, aber auch nachvollziehbar (wenn man mal kritisch in den eigenen Spiegel und seine Arbeit hinterfragt).

Modeste wird in guter Erinnerung bleiben.
Für seinen weiteren Karriere- und Lebensweg alles Gute.

Wir machen weiter. Immer weiter.
Come on EffZeh!

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