Der Rückkehrer mit den Fragezeichen

Gestern letzter Tag im Office. Nachmittags sprang ich von einem Meeting in das nächste, verließ das Büro etwas später als sonst und schaffte es nicht mal rechtzeitig zum Anpfiff nach Hause. Zur zweiten Halbzeit saß ich dann endlich auf dem Sofa. Der Fokus galt allein dem Spiel. Mit dem Unentschieden kann ich gut leben. Vor knapp drei Wochen hatte ich noch gesagt, dass es mich nicht verwundern würde, wenn wir aus den letzten drei Spielen des Jahres keinen Punkt mehr holen. Jetzt sind es drei geworden. Mit 25 Zählern geht es (endlich) in die Winterpause. Mit Platz sieben stehen wir grandios da. Mehr als ich vor der Saison erwartet hatte. Und es wäre noch mehr möglich gewesen. Nicht nur in den letzten drei Partien. Das ist aber vollkommen egal. Die Jungs können stolz auf die Hinserie sein – auf die Moral, die sie nach der sich ständig erweiterten Verletztenliste gezeigt hat, auf die Entwicklung allgemein. Das kann uns keiner nehmen.

Wenn wir diese Leistungen in der Rückserie bestätigen, war es ein sensationelles Jahr. Egal, ob es dann nach Baku geht oder nicht.

Heute morgen dann also nicht ins Büro, sondern aus dem Bett nur ein Stockwerk tiefer ins Homeoffice. Nachdem der erste größere Schwung Businesskram erledigt war und ein Reporting etwas länger brauchte, um geladen werden, mal ein kurzer Blick in die privaten Mails. Seit einiger Zeit landet dort ein individuell zusammengestellter Newsletter von Nuzzle in der Inbox, der die wichtigsten News (also die meist geteilten oder kommentierten, wer weiß das schon) aus meiner Twitter-Filterblase zusammenfasst. Fast ganz unten lese ich dann „FC verpflichtet Christian Clemens„.

Ich muss schmunzeln. Schöner Scherz. Spiel zu Ende, es gehen also die Spekulationen los und wir bekommen alte News neu aufgetischt. Der Teaser weist auf einen Wechsel von Mainz hin. Häää? Quelle ist der FC selber. Der Klick beweist, wir haben den ersten Spieler für die Rückserie verpflichtet. Einen Rückkehrer.

Positionsbezogen ein nicht unerwarteter Wechsel. Nach dem Ausfall von Risse und in Anbetracht der Verletzung von Bittencourt war klar, dass wir auf den Außenbahnen etwas machen müssen. Zoller hat sich hier zu wenig aufgedrängt. Hartel ist nach seiner Verletzung noch nicht so weit gewesen, wird aber sicherlich in der Rückrunde weiterhin seine Chancen erhalten. Neben der Position auf der Sechs sind wir hier in der Breite zu dünn aufgestellt. Wenn Mavraj wirklich geht (dazu dann mehr, wenn es soweit ist), sicherlich auch in der IV. Wir mussten hier also reagieren und haben es schnell geschafft.

Großes Kompliment an Schmadtke & Co., die das Thema womöglich erst vor drei Wochen mit (mehr) Hochdruck angegangen sind und schnell Ersatz finden konnten. Mit Clemens auch Ersatz, der direkt weiterhilft und aufgrund der frühen Verpflichtung die Vorbereitung auf die Rückrunde komplett bestreiten kann. Mit Clemens kommt ein weiterer gebürtiger Kölner ans Geißbockeim. Der Junge kennt den Klub und die Bundesliga. Und ein wenig war ich dann doch überrascht, als ich las, dass er erst 25 Jahre ist. Das zeigt einfach nochmal, wir früh er beim EffZeh schon eine tragende Rolle gespielt hat. Das kommt mir schon ewig lang her. Jetzt ist er wieder da. Mit einigen neuen Erfahrungen und trotzdem noch immer entwicklungsfähig. Kein Wunder also, dass wir ihn direkt bis 2021 gebunden haben.

Clemens dürfte vorrangig für den rechten Flügel vorgesehen sein. In der Rückrunde ist er auf der Position gesetzt und wird dann nach Risses Rückkehr mit ihm um die Position kämpfen. Alternativ kann er auch links (oder zentral) spielen. Das macht uns noch flexibler und verschafft uns auch auf der linken Außenbahn etwas Luft bei eventuellen Ausfällen in der Zukunft.

2,75 Millionen lässt sich Köln den Deal laut transfermarkt.de (also alles ohne Gewähr) kosten, was in etwa der Preis ist, den wir vor 3,5 Jahren von Schalke bekommen haben. Das spiegelt leider wieder, dass Clemens in dieser Zeit keinen Entwicklungsschritt gemacht hat. Mit Blick auf seine Leistungsdaten, hätte die Ablöse eigentlich geringer ausfallen können. Ist sie ja vielleicht auch. Schmadtke dürfte gut verhandelt haben. Und selbst wenn wir zwischen 2,5 und 3 Millionen für ihn bezahlen, ist das für einen Spieler mit seinem Potenzial ein guter Preis.

Einziges Manko ist die fehlende Spielpraxis. Seitdem er Köln verlassen hat, hat er nicht mal 60 Ligaspiele (6 Tore) bestritten. Nach seinem Winterwechsel vor zwei Jahren von Schalke 04 zu Mainz 05 hatte er die halbe Rückserie mit Verletzungen zu kämpfen. Letzte Saison war er dann aber Stammspieler und kam auf 28 Partien. Vier Spiele fehlte er verletzungsbedingt. Fünf Tore und vier Vorlagen gelangen ihm 2015/2016. Auch in dieser Saison durfte er seit dem fünften Spieltag nicht mehr mitmischen. Eine Sehnenreizung hat ihn die Hinserie gekostet. Und genau hier liegt die Gefahr. Clemens ist verletzungsanfällig. Immer wieder muss er Rückschläge verkraften und fehlt der Mannschaft. Etwas, was wir nach dieser Hinserie eigentlich nicht mehr benötigen. Sein Transfer ist deshalb ein Wagnis.

Wenn Christian Clemens fit bleibt ist er eine Riesenverstärkung. Verletzt er sich auch wieder, reißt er wieder eine Lücke auf der rechten Seite. Ein Balanceakt für den Verein. Denn auf den Fall muss man vorbereitet sein. Eventuell mit einem weiteren Spieler, der eigentlich direkt helfen kann, sich aber auch erstmal hinten anstellt. Jemand, der aber idealerweise auch woanders spielen kann. Den spätestens wenn Risse zurück kehrt, wird die Luft auf der Position dünner.

Ich finde den Transfer durchaus sinnig und gelungen, da ich Clemens immer gemocht habe und seinen Abschied damals (wirtschaftlich) verstanden habe, der aber sportlich schmerzte. Eventuell schließt sich nun der Kreis und er lässt auch seine Verletzungsprobleme wieder hinter sich. Willkommen zurück Christian. Auf eine erfolgreiche Zeit. Für dich und den Verein!

Come on FC!

One comment on “Der Rückkehrer mit den Fragezeichen
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